Styles 31 Jul 2026 · Morgenland Teppich Team 著

Teppiche als Gestaltungselement: Interview mit Interior Designerin Anna Bergner

Erfahren Sie im Interview mit Interior Designerin Anna Bergner, wie Teppiche Räume gestalten, Atmosphäre schaffen und das Interior Design stilvoll aufwerten. Inspirierende Tipps & Trends.

Teppiche als Gestaltungselement:  Interview mit Interior Designerin Anna Bergner

Einleitung


Welcher Teppich passt in welchen Raum? 

Diese Frage stellt sich meist ganz am Ende eines Einrichtung Projekts, wenn Wandfarben und Möbel längst feststehen.

Genau an diesem Punkt entscheidet sich aber, ob ein Raum harmonisch wirkt oder ob etwas fehlt.

Wir haben mit Anna Bergner gesprochen. Im Rahmen ihrer Online-Einrichtungsberatung plant sie komplette Wohnkonzepte und entwickelt individuelle Einrichtungslösungen, die perfekt auf die Wünsche und den Alltag ihrer Kunden abgestimmt sind.

1. Wie gehst du bei einem neuen Projekt an die Teppichauswahl heran, was kommt zuerst: Teppich oder restliche Einrichtung?

Also, bei mir kommt tatsächlich zuerst die Wandgestaltung – natürlich nur, wenn die Wände nicht einfach weiß bleiben sollen. Das heißt, als Erstes lege ich die Wandfarben fest.

Danach folgt die eigentliche Einrichtung mit den Möbeln. Und ganz zum Schluss kommen dann die Textilien, also Vorhänge, Teppiche und Wohnaccessoires wie zum Beispiel Lampen.

Die Teppichauswahl erfolgt bei mir bewusst erst relativ spät. Der Grund ist ganz einfach: Es gibt unzählige Modelle, Materialien, Farben und Muster.

Wenn das Einrichtungskonzept erst einmal steht, lässt sich viel gezielter entscheiden, welcher Teppich am Ende wirklich perfekt zum Raum passt.

2. Welche Rolle spielt der Teppich für die Raumwirkung, gerade in kleinen Räumen?

Der Boden – und dazu zählt für mich auch der Teppich – hat einen entscheidenden Einfluss auf die Raumwirkung.

Mit einem Teppich lässt sich die Wirkung eines Bodens nämlich gezielt verändern oder auch ein weniger gelungener Bodenbelag optisch verbessern.

Ein Beispiel sind sehr dunkle Böden, egal ob Parkett oder Beton. Sie bilden eine dunkle Basis und lassen einen Raum oft etwas kleiner und dunkler wirken.

Gerade in kleinen Räumen empfehle ich deshalb einen hellen Teppich in dezenten Farben, um den Raum optisch aufzuhellen.

Auch bei sehr unruhigen Böden, zum Beispiel stark gemusterten Fliesen oder Vinylböden mit auffälliger Maserung, kann ein großer, einfarbiger Teppich wahre Wunder bewirken. Er verdeckt einen großen Teil des Bodens und bringt deutlich mehr Ruhe in den Raum.

Ähnlich ist es bei Böden mit einem gräulichen, kühlen Unterton.

Wenn man sich eigentlich ein warmes, gemütliches Ambiente wünscht, kann ein Teppich in warmen Farbtönen diesen kühlen Eindruck wunderbar ausgleichen und den Raum harmonischer wirken lassen.

Grundsätzlich gilt: Gerade in kleinen Räumen wirken helle, möglichst großformatige Teppiche oft raumvergrößernd und schaffen gleichzeitig eine ruhige, harmonische Basis für die gesamte Einrichtung.

3. Worauf achtest du bei Material und Qualität – und wo lohnt es sich zu investieren?

Ich schaue mir zuerst an, für wen der Teppich überhaupt gedacht ist. Wer lebt in dem Zuhause? Gibt es Kinder oder Haustiere?

Muss der Teppich besonders pflegeleicht, robust oder strapazierfähig sein? Oder gibt es vielleicht Allergiker im Haushalt? All diese Faktoren fließen in die Auswahl mit ein.

Danach geht es um die Nutzung des Raums und die gewünschte Wirkung.

Ein Flur, der täglich stark genutzt wird, stellt ganz andere Anforderungen als ein Wohn- oder Schlafzimmer, in dem Gemütlichkeit im Vordergrund steht.

Deshalb empfehle ich in stark frequentierten Bereichen wie Flur oder Küche eher einen Kurzflorteppich. Er ist pflegeleichter und hält der täglichen Beanspruchung besser stand.

Für Wohn- oder Schlafzimmer eignen sich dagegen Hochflor-, Shaggy- oder dicht getuftete Teppiche besonders gut.

Sie sorgen für eine weiche, warme Oberfläche und schaffen sofort eine gemütliche Atmosphäre.

4. Wie kombinierst du Teppiche mit Wandfarben? (Du hast dazu ja spannende Beiträge auf deiner Seite.)

Ja, super wichtig ist natürlich, dass der Boden zum Gesamtkonzept passt.

Mit Boden meine ich dabei in erster Linie den Bodenbelag – also zum Beispiel Parkett, Vinyl oder Fliesen. Den Teppich sehe ich eher als Gestaltungselement oder Akzent, ähnlich wie Vorhänge.

Bei Vorhängen ist es mir wichtig, dass sie sich farblich von der Wand abheben. Genauso sollte sich ein Teppich farblich vom Boden unterscheiden.

Das ist für mich sogar einer der wichtigsten Punkte, weil Teppich und Boden direkt aufeinander treffen. Zur Wand besteht diese unmittelbare Verbindung nicht.

Natürlich sollte der Teppich auch zum Farbkonzept des Raumes passen. Entscheidend ist aber, dass er mit dem Boden harmoniert und sich gleichzeitig davon abhebt – zum Beispiel durch einen helleren oder dunkleren Farbton.

Je größer dieser Kontrast ist, desto stärker wird der Teppich zum Blickfang und desto präsenter wirkt er im Raum.

5. Klassisch-orientalisch oder modern – wann empfiehlst du deinen Kundinnen und Kunden was?

Ich habe da tatsächlich keine starren Regeln. Ich orientiere mich immer an dem, was mir meine Kundinnen und Kunden als Inspiration mitgeben.

Meist bekomme ich Pinterest-Bilder, aus denen sich oft schon ein Stil oder bestimmte Vorlieben herauslesen lassen.

Wenn ich zum Beispiel immer wieder Orientteppiche sehe, dann fließt das natürlich auch in meine Empfehlungen mit ein.

Wenn die Richtung nicht ganz eindeutig ist, verlasse ich mich auf mein Gefühl. Ich überlege dann: Was passt am besten zum Raum?

Was könnte den Menschen gefallen, die dort wohnen? Und manchmal nutze ich einen Teppich auch ganz bewusst, um einen kleinen Stilbruch einzubauen.

Ein Orientteppich kann zum Beispiel in einem modernen Wohnzimmer unglaublich spannend wirken und dem Raum mehr Persönlichkeit verleihen.

Grundsätzlich habe ich aber festgestellt, dass Vintage-Teppiche mit ihrer leicht verwaschenen Optik unglaublich vielseitig sind.

Sie lassen sich mit ganz unterschiedlichen Einrichtungsstilen kombinieren und wirken oft besonders harmonisch.

Wenn ich mich für einen Teppichstil entscheiden müsste, wäre das wahrscheinlich mein Favorit.

6. Was ist der häufigste Fehler, den du bei der Teppichwahl siehst?

Ein Fehler, den ich immer wieder sehe, ist die falsche Teppichgröße. Manchmal sind Teppiche einfach zu klein, sodass gerade einmal der Couchtisch darauf Platz findet. Für die Raumwirkung ist das allerdings nicht ideal.

Als grobe Faustregel gilt: Der Teppich sollte so groß sein, dass etwa zwei Drittel der Wohnzimmermöbel darauf stehen.

Das Sofa muss dabei nicht komplett auf dem Teppich stehen, aber zumindest die Vorderfüße sollten darauf Platz finden.

Idealerweise verschwinden die Teppichkanten sogar etwas unter den Polstermöbeln. Dadurch wirkt der Raum deutlich harmonischer und stimmiger.

Ein weiterer häufiger Fehler ist die Farbauswahl. Der Teppich sollte mit dem Boden harmonieren, sich aber trotzdem klar von ihm abheben.

Manchmal passt die Farbkombination einfach nicht zusammen, manchmal haben Teppich und Boden aber auch nahezu denselben Farbton. Dann geht der Teppich optisch unter.

Ich vergleiche das gerne mit einem weißen Vorhang vor einer weißen Wand. Das kann funktionieren, wenn man eine sehr ruhige, luftige Wirkung erzielen möchte.

Meiner Erfahrung nach wirken Räume aber lebendiger, hochwertiger und bekommen mehr Tiefe, wenn zwischen Boden und Teppich ein sanfter Kontrast entsteht.


7. Ein konkretes Projekt, bei dem der Teppich den Raum verändert hat – magst du davon erzählen?

Mir fällt da direkt ein Projekt ein. Meine Kunden waren gerade in eine neue Wohnung gezogen.

Der offene Wohnbereich bestand aus vier Zonen: Kochen, Essen, Wohnen und einem Lounge-Bereich im Erker mit bodentiefen Fenstern.

Die Herausforderung war, dass Wohnbereich und Lounge trotz ihrer unterschiedlichen Nutzung wie eine Einheit wirken sollten.

Im Erker wünschten sich die Kunden gemütliche Polstermöbel für gesellige Abende mit Freunden, während die Wohnlandschaft hauptsächlich zum Fernsehen gedacht war.

Die größte Herausforderung war der Teppich. Ein klassischer rechteckiger Teppich hätte die besondere Raumform nicht aufgegriffen.

Nach längerer Suche fand ich schließlich einen asymmetrischen Teppich in einer Art Nierenform, der Sofa, Chaiselongue und Sessel optisch miteinander verbunden hat.

Ich vergleiche das gerne mit einem Tablett: Mehrere Deko-Objekte wirken darauf sofort wie eine Einheit.

Genauso gibt ein Teppich den Möbeln einen optischen Rahmen und sorgt dafür, dass der gesamte Bereich harmonisch und wie aus einem Guss wirkt.

8. Dein wichtigster Tipp für alle, die gerade auf Teppichsuche sind?

Mein wichtigster Tipp wäre: Nutze Teppiche ganz bewusst als Gestaltungsmittel. Sie verleihen Räumen mehr Tiefe, Wärme und Behaglichkeit und machen eine Einrichtung oft erst richtig wohnlich.

Besonders gerne arbeite ich in Wohn- und Schlafzimmern mit Teppichen, die viel Struktur mitbringen – zum Beispiel Hochflorteppiche, dick getuftete Teppiche oder Modelle mit einer Hoch-Tief-Struktur.

Durch ihre Textur wirken sie lebendiger und hochwertiger als ein glatter Kurzflorteppich und sorgen für eine besonders gemütliche Atmosphäre.

Natürlich hängt die Wahl immer vom Raum ab. In stark genutzten Bereichen ist ein Kurzflorteppich oft die praktischere Lösung.

Wenn es aber um Gemütlichkeit geht, würde ich immer zu einem Teppich mit mehr Struktur und Textur greifen.

Interview: Morgenland Teppiche × Anna Bergner, Interior Designerin